Werte und Normen2026-04-12T16:14:45+02:00

Fachbereich Werte und Normen

Denken lernen. Urteilen lernen. Leben lernen.

Wie leben wir gut miteinander? Was ist gerecht? Was darf ich tun – und was nicht? Das sind keine einfachen Fragen, aber genau diese Fragen stellen unsere Schülerinnen und Schüler in unserer vielfältigen Gesellschaft.

Das Fach Werte und Normen – in anderen Bundesländern als Ethik oder Praktische Philosophie bekannt – bietet seit rund 30 Jahren einen Raum, in dem diese Fragen ernsthaft und offen diskutiert werden. Es richtet sich an alle, die nicht am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen – egal ob aus einer anderen religiösen Tradition oder ganz ohne konfessionellen Hintergrund. Grundsätzlich steht das Fach aber jedem offen.

Dass die Schülerinnen und Schüler aus ganz unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Lebensgeschichten stammen, ist ein Gewinn. Diese Vielfalt bereichert die Diskussionen im Unterricht und macht Toleranz nicht zur abstrakten Forderung, sondern zur gelebten Erfahrung.

Was das Fach besonders macht: Von allen Schulfächern trägt Werte und Normen in besonderer Weise zur Persönlichkeitsentwicklung bei – es befähigt Schülerinnen und Schüler, moralisch zu urteilen, tolerant und offen mit anderen umzugehen und sich in einer demokratischen Gesellschaft zu orientieren. Kurz: eine eigene, begründete Haltung zu entwickeln – gegenüber der Welt, gegenüber anderen – und sich selbst.

Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Nachdenken und Diskutieren – mit guten Argumenten, auf der Suche nach Antworten auf grundlegende Lebensfragen.

Werte und Normen bis zum Abitur? Ja – das Fach kann in der Oberstufe auf grundlegendem Niveau belegt und als Prüfungsfach im Abitur gewählt werden. Eine lohnende Wahl für alle, die sich für Philosophie, Ethik und die großen Fragen des Lebens interessieren.

Der Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) fragte: „Was soll ich tun?“ – Diese schlichte Frage gilt bis heute als eine der zentralen Fragen der Ethik und ist gewissermaßen das Leitmotiv des Fachs. Der Unterricht hat drei Schwerpunkte:

    • Auseinandersetzung mit Wirklichkeit und Wahrheitsansprüchen: Was ist wahr – und woher weiß ich das eigentlich? Schülerinnen und Schüler lernen, philosophische, religiöse und weltanschauliche Fragen ernst zu nehmen und eigene wie fremde Überzeugungen kritisch zu hinterfragen, statt sie einfach zu übernehmen oder abzulehnen.

    • Entwicklung ethischer Urteilsfähigkeit: Bei moralisch schwierigen Fragen reicht Bauchgefühl nicht aus – und Gruppendruck ist kein Argument. Ethische Urteilsfähigkeit bedeutet: den Verstand einsetzen, abwägen können, was auf dem Spiel steht, wer betroffen ist, welche Werte in Konflikt geraten – und dann begründet Stellung nehmen.

    • Werteorientierung: Schülerinnen und Schüler lernen, gesellschaftliche und persönliche Fragen unter dem Gesichtspunkt zu bewerten, was ein gutes, gerechtes und menschenwürdiges Leben ausmacht – und warum Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Überzeugungen darauf durchaus verschiedene Antworten geben können. Allerdings gilt: Nicht jede Antwort ist gleich akzeptabel – Positionen, die Menschenwürde oder Grundrechte verletzen, sind keine Meinung unter vielen, sondern eine Grenze, die nicht zur Disposition steht.

Das Fach ist bewusst weltanschaulich neutral: Es bevorzugt keine Religion oder Weltanschauung, sondern orientiert sich ausdrücklich an den Grund- und Menschenrechten.

Da viele Schülerinnen und Schüler das Fach noch nicht kennen, starten wir mit einem gemeinsamen Einstieg in die vier großen Fragen Kants: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? – die das ganze Spektrum des Fachs umspannen. Für viele wird es dabei schnell zum Lieblingsfach.

In der Sekundarstufe I begleitet das Fach die Schülerinnen und Schüler durch zentrale Lebensfragen – immer passend zum jeweiligen Lebensalter. Die Themen sind in fünf große Fragehorizonte gegliedert:

  • Fragen nach dem IchWer bin ich? Was macht mich aus – und wer möchte ich werden? In einer Phase, in der sich vieles verändert, geht es um Identität, Selbstbild, Beziehungen und die Frage, wie man das eigene Leben gestalten will.

  • Fragen nach der ZukunftWas erhoffe ich mir? Welche Verantwortung trage ich – für mich, für andere, für die Umwelt? Hier geht es um Lebensgestaltung, aber auch um große Themen wie Nachhaltigkeit und den Umgang mit Krisen.

  • Fragen nach Moral und EthikWas ist gerecht? Wie löse ich Konflikte – fair und ohne Gewalt? Von Regeln des Zusammenlebens bis hin zu Liebe und Sexualität: Hier lernen Schülerinnen und Schüler, moralische Fragen nicht einfach zu umschiffen, sondern zu durchdenken.

  • Fragen nach der WirklichkeitWas ist wahr? Wie erkenne ich Vorurteile – auch meine eigenen? Themen wie Menschenwürde, Medien und das Leben in einer vielfältigen Gesellschaft stehen im Mittelpunkt.

  • Fragen nach OrientierungsmöglichkeitenWas glauben Menschen? Warum? Die Schülerinnen und Schüler lernen die großen Weltreligionen und Weltanschauungen kennen – nicht um zu urteilen, sondern um zu verstehen.

Jeder Fragehorizont wird in zwei Schuljahren behandelt und in den folgenden Jahrgängen auf höherem Niveau wieder aufgegriffen – die Themen bauen also spiralförmig aufeinander auf.

Die konkreten Leitthemen pro Jahrgang sind im schuleigenen Curriculum festgelegt (s. Weiterführende Informationen).

In der Oberstufe vertiefen die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeit, komplexe philosophische und gesellschaftliche Fragen zu durchdringen. Wer erst ab Klasse 11 mit Werte und Normen beginnt, steigt direkt ein – das Fach ist so aufgebaut, dass kein Vorwissen nötig ist. Jeder Jahrgang hat zwei Rahmenthemen:

  1. Individuum und GesellschaftWie viel Freiheit braucht der Mensch, wie viel Gemeinschaft? Was ist gerecht – und wer entscheidet das? Recht, Gerechtigkeit und das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft stehen im Mittelpunkt.

  2. Religionen und WeltanschauungenWarum glauben Menschen? Was leisten Religionen – und wo stoßen sie an Grenzen? Kann man Gottes Existenz beweisen oder widerlegen? Die großen Weltreligionen und säkulare Weltanschauungen werden aus religionswissenschaftlicher und philosophischer Perspektive betrachtet.

  3. AnthropologieWas ist der Mensch? Hat er eine Sonderstellung unter den Lebewesen – und wenn ja, warum? Wie frei sind wir wirklich – oder sind wir durch Gene, Gesellschaft und Gehirn bestimmt? Und was ist eigentlich der Mensch: Körper, Geist – oder beides? Eine Frage, die durch künstliche Intelligenz eine völlig neue Brisanz bekommt.

  4. EthikWann ist meine Handlung moralisch gut? Wenn sie gute Folgen hat – oder kommt es auf die innere Einstellung an? Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den großen ethischen Theorien auseinander – und wenden sie auf aktuelle Fragen an, sei es im Bereich der Medizinethik, der ökologischen Ethik oder der Wirtschaftsethik.

  5. Wahrheit und WirklichkeitWas können wir überhaupt wissen? Wie konstruieren Medien, Sprache und Kunst unsere Wirklichkeit? Wo liegen die Chancen, wo die Gefahren? Welche Verantwortung im Umgang mit Medien trägt der Einzelne? Ein Thema, das angesichts von Fake News und KI aktueller ist denn je.

  6. LebensentwürfeWie will ich leben? Was macht ein gutes Leben aus – Glück, Sinn, Liebe, Arbeit? Wie geht man mit Krisen um – und was kann Menschen innerlich stark machen, wenn das Leben anders läuft als geplant? Am Ende der Schullaufbahn richtet das Fach den Blick nach vorn: auf die eigene Zukunft und die Frage, wer man sein möchte.

Jedes Rahmenthema umfasst ein Pflichtmodul sowie mehrere Wahlmodule. Näheres dazu findet sich im schuleigenen Curriculum bzw. in den Hinweisen zum Zentralabitur (s. Weiterführende Informationen).

Für den Unterricht setzen wir je nach Jahrgang unterschiedliche Materialien ein:

  • Jahrgang 5-8:

    Wir arbeiten mit dem Lehrwerk ⇒ Leben leben des Klett-Verlags – einem bewährten Lehrbuch, das die Themen anschaulich und schülerorientiert aufbereitet.

  • Ab Jahrgang 9: Ab Jahrgang 9 erstellen die Lehrkräfte eigenes, auf die Lerngruppe zugeschnittenes Material, das teils analog, teils digital bereitgestellt und bearbeitet wird. Das hat einen wichtigen Vorteil: Die großen Fragen des Fachs – nach Gerechtigkeit, Wahrheit, gutem Leben – stellen sich immer neu, beeinflusst von aktuellen Entwicklungen wie Kriegen, gesellschaftlichen Veränderungen oder technischen Umbrüchen. Eigenes Material erlaubt es, solche Themen aufzugreifen, wenn sie aktuell sind – und sich dabei an den Interessen und Fragen der jeweiligen Lerngruppe zu orientieren.

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