Erasmus+ Mobilität: Well-being and Stress Management

Im Juni 2026 führte mich ein mir wichtiges Thema zu einer Fortbildung nach Island. Nachdem ich bereits ein Seminarfach zum Thema „Achtsamkeit und Entspannung“ am Gymnasium Oesede geleitet, sowie im letzten Schuljahr eine AG zu diesem Thema angeboten habe, bin ich nach einiger Recherche auf eine interessante interdisziplinäre Fortbildung in Reykjavik aufmerksam geworden. Diese bestand aus drei verschiedenen Säulen: zum einen wurde inhaltlich an Themen wie „Mindfulness“, „Positive Psychology“, „Positive Teaching“, „Calm Classroom“ gearbeitet. Darüber hinaus war ein zentraler Baustein, das isländische Schulsystem strukturell, aber auch konkret durch einen Schulbesuch kennenzulernen. Nicht zuletzt stand der Austausch europäischer KollegInnen aus verschiedensten Ländern im Fokus.
Inhaltlich habe ich mein Wissen über die Themen „Mindfulness“ und „Positive Teaching“ vertiefen und ergänzen können. Besonders beeindruckt hat mich, dass bereits im Kindergarten die sogenannten „Now Minutes“ (Kurze Achtsamkeits-/ Konzentrationsübungen) regelmäßig praktiziert werden und zum normalen Alltag, später auch in der Schule, dazu gehören. Da Stress Lernen im Allgemeinen aber auch die Wiedergabe von Erlerntem hemmen kann, ist es ein nachvollziehbarer Ansatz, dass jeden Tag die „Now Minutes“ in schulische Aktivitäten integriert werden. Auch für die LehrerInnen ist es ein Tool, das täglich genutzt wird, u.a. in einem Entspannungsraum für Lehrkräfte.
Der Besuch einer der modernsten Schulen Islands, die Hellgafellsskóli, war sehr interessant. Das Gebäude zeichnet sich durch großzügige, lichtdurchflutete Räume aus, zum Teil mit Sofas, Leseecken und Teppichen. In Island hat seit einigen Jahren jedes Kind Anspruch auf ein kostenloses Mittagessen, der Fachunterricht findet in aller Regel bis ca. 15:00 statt, danach gibt es eine kostenpflichtige Betreuung für die jüngeren Schüler. Besonderheit ist der „Entrepreneur Monday“, vielleicht vergleichbar mit unserem „Friday“ im Jahrgang 9. An diesem Tag arbeiten die Schüler*innen an der Hellgafellsskóli an fächerübergreifenden Projekten, die sie am Ende des Schuljahres in der Öffentlichkeit, u.a. auch Mitgliedern der Stadtverwaltung präsentieren.
Um Kindern Zugang zu einem außerschulischen Sport- und Freizeitprogramm zu ermöglichen, stellt der Staat jedem Kind ein „Leisure Stipend“ in Höhe von 500€ pro Jahr zur Verfügung. Damit können Kosten im Freizeitbereich (Sport, Musik, Kunst) weitestgehend gedeckt werden. Besonderheit dieser Schule ist das „Greenhouse“, in dem Pflanzen, aber auch Obst und Gemüse auf einer Dachterrasse angebaut werden, um es für unterrichtliche Zwecke (Biologie) zu nutzen und später selbst zu verwerten. Die Turnhalle wird am Nachmittag zum öffentlichen Raum für Kinder, Eltern, Nachbarschaft. Jeder kann kommen und dort Sport treiben.
Bemerkenswert ist die „Summer Working School“, über die Teenager in den Ferienwochen einen von der Schule organisierten Job in der Nachbarschaft ausüben. Die SchülerInnen arbeiten in aller Regel in Gärten oder pflegen Grünflächen für einen festen Stundenlohn. Dadurch übernehmen sie Verantwortung, üben eine sinnvolle Tätigkeit aus und verdienen nebenbei nicht nur ein zusätzliches Taschengeld, sondern auch ein soziales Gutachten, was ihnen später bei der Jobsuche helfen soll.
Über die inhaltlichen Erfahrungen hinaus war für mich bei dieser Fortbildung auch der individuelle Austausch mit europäischen KollegInnen spannend und hoch interessant. So habe ich zum Beispiel vier Lehrerinnen aus Griechenland kennen gelernt, die in Kooperation mit der ansässigen Universität vor Ort als Laborschule neue Methoden und Didaktiken ausprobieren. Andere KollegInnen, wie zum Beispiel die teilnehmenden Lehrkräfte aus Portugal, konnten von bereits vielen getätigten Fortbildungen, Job-Shadowing sowie Schüler-Mobilitäten berichten. Die Teilnahme von Lehrkräften aus Tschechien, Slovenien, Kroation, Spanien, Portugal, Griechenland, Deutschland und sogar Amerika hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen, um besser zu lehren bzw. zu erziehen.
Mein Fazit ist, dass es absolut lohnend und bereichernd ist, eine Erasmus Fortbildung zu besuchen, sowohl was den inhaltlichen Mehrwert, als auch die Kontakte und den Austausch unter den Teilnehmern betrifft. Sicherlich werde ich mit vielen in Kontakt bleiben, um auch für unsere Schule die volle Bandbreite an Erasmus+ Aktivitäten auszuschöpfen.
Foto: A. Froh
Text: A. Froh
