Arbeiten, lernen, selbstständiger werden – Mein Erasmus+ Praktikum auf Mallorca

Ich habe mich für ein Praktikum im Ausland entschieden, weil ich die Möglichkeit durch das Erasmus+-Programm nutzen wollte, neue Erfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern. Außerdem wollte ich einmal einen Arbeitsalltag außerhalb von Deutschland kennenlernen und dabei selbstständiger werden. Da ich gerne reise und offen für neue Situationen bin, hat mich diese Chance besonders angesprochen.
Mein Praktikum habe ich auf Mallorca im Hotel „Sant Blai“, einer Agrotourismusfinca, gemacht. Dort konnte ich einen Einblick in den Alltag eines kleinen, familiären Betriebs bekommen. Ich habe verschiedene Arbeitsbereiche kennengelernt und teilweise auch eigenständig unterstützt. Besonders im Frühstücksbereich durfte ich viele Aufgaben selbst übernehmen. Dabei ist mir schnell aufgefallen, wie viele kleine Tätigkeiten im Hintergrund notwendig sind, damit für die Gäste alles reibungslos funktioniert, auch wenn es von außen oft einfach wirkt.
Ein weiterer Teil meines Praktikums war die Arbeit mit den Tieren auf der Finca. Da es sich um einen Agrotourismusbetrieb handelt, gehören auch Tiere wie Pferde zum Alltag. In diesem Bereich wurde mir viel Vertrauen entgegengebracht, sodass ich die Tiere versorgen und teilweise auch im Umgang mit Gästen unterstützen konnte. Diese Verantwortung hat mir besonders gefallen, weil ich gemerkt habe, dass mir wirklich Aufgaben zugetraut werden. Während meines Aufenthaltes konnte ich außerdem meine Sprachkenntnisse anwenden. Ich habe Englisch vor allem im Kontakt mit internationalen Gästen genutzt und Spanisch eher außerhalb des Betriebs im Alltag auf der Insel. Anfangs war ich noch unsicher, bin aber mit der Zeit deutlich selbstbewusster geworden, weil ich gemerkt habe, dass es vor allem um Verständigung geht und nicht um perfekte Sprache.
Im Vergleich zur Schule war der Alltag anders als erwartet. Nach der Arbeit war ich oft müder als nach einem Schultag, gleichzeitig bin ich aber morgens motivierter aufgestanden und habe mich mehr auf den Tag gefreut. Das lag auch an der Atmosphäre auf Mallorca mit dem guten Wetter und der entspannten Umgebung. Insgesamt habe ich gemerkt, dass ein Arbeitstag auch bei ruhigen Bedingungen anstrengender sein kann als Schule. Sehr positiv war die familiäre Atmosphäre im Betrieb. Da es sich um ein kleines Familienunternehmen handelt, war der Umgang sehr persönlich und ich habe mich schnell wohlgefühlt. Ich hatte immer Ansprechpartner und konnte viele Aufgaben selbstständig erledigen, was mir viel Vertrauen gegeben hat. Während des Praktikums habe ich außerdem gemerkt, wie wichtig Selbstständigkeit ist. Da ich alleine auf Mallorca war, musste ich viele Dinge selbst organisieren, zum Beispiel Einkäufe, Wege oder meinen Tagesablauf. Auch wenn ich schon vorher Erfahrungen mit Selbstständigkeit hatte, hat mich diese Zeit darin bestärkt.
Rückblickend hat mich besonders überrascht, wie viele Aufgaben im Hintergrund eines kleinen Hotels notwendig sind. Dazu gehört auch die Gartenarbeit, an die ich vorher gar nicht gedacht hatte. Pflanzenpflege, Tiere und das Gelände müssen täglich betreut werden, was deutlich mehr Arbeit ist, als man als Gast sieht. Negative Erfahrungen hatte ich kaum. Ein Nachteil war die abgelegene Lage des Betriebs, wodurch ich ohne Führerschein oft auf Mitfahrgelegenheiten angewiesen war und dadurch in meiner Freizeit weniger flexibel war. Fachlich hätte ich mir teilweise noch etwas mehr Einblicke in organisatorische Abläufe gewünscht, auch wenn mir der praktische Teil besser gefallen hat.
Zusammenfassend war das Praktikum für mich vor allem eine sehr wertvolle persönliche Erfahrung. Ich konnte selbstständiger werden, meine Sprachkenntnisse anwenden und viele neue Eindrücke sammeln. Ich würde ein Auslandspraktikum über Erasmus+ auf jeden Fall weiterempfehlen, da man Erfahrungen macht, die im Schulalltag nicht möglich sind.
Text: P. Wiggerink
Fotos: P. Wiggerink










